Felskirche der Heiligen Marina

SAC-B-032

Als Cosimo De Giorgi mich im 19. Jh. auf seinen Erkundungsfahrten durch das Salento in seinen “Reisetagebüchern” erwähnte, wies er auch auf die “Umgestaltungen im Lauf der Jahrhunderte” hin, die ich erfahren habe.
Giacomo Arditi hielt mich hingegen für eine “grancìa” des Karmelitanerklosters...

Als Cosimo De Giorgi mich im 19. Jh. auf seinen Erkundungsfahrten durch das Salento in seinen “Reisetagebüchern” erwähnte, wies er auch auf die “Umgestaltungen im Lauf der Jahrhunderte” hin, die ich erfahren habe.
Giacomo Arditi hielt mich hingegen für eine “grancìa” des Karmelitanerklosters, dessen Vorhandensein in Miggiano durch Quellen belegt ist. Dieser Ausdruck kommt vom französischen granche (Getreidespeicher) und wurde von einigen Mönchsorden als Bezeichnung für ihre Bauernhöfe benutzt.
Der mündlichen Überlieferung zufolge, hieß die Gegend, in der ich mich befinde tatsächlich Cumentu, denn in der Nähe hatten die Brüder des Karmelitanerordens 1538 ein Kloster errichtet, welches den Namen “Madonna delle Grazie” trug.
Wie andere unterirdische Kultstätten im Gebiet des Salento bin ich Zeugnis der faszinierenden Felskultur, die vom 6. Bis zum 15. Jh. in ganz Süditalien verbreitet war, und bin Teil der mittelalterlichen Landbesiedlung.
Noch heute ist die Frage nach der genauen Datierung dieser in den Fels gehauenen Räume nicht beantwortet, die später vom Menschen in verschiedenen Phasen weiterbenutzt wurden, welche nicht leicht nachzuvollziehen sind, wobei viele Kirchen im Laufe der Jahrhunderte einen tiefgreifenden Veränderungsprozess durchlaufen haben.
Die Felskirchen standen im Allgemeinen mit der Frömmigkeit von Privatleuten in Verbindung und dienten meist auch als Begäbnisstätten.
Ich befinde mich unter der gleichnamigen Kapelle der Heiligen Marina, die in ihrer ursprünglichen Form auf des 14. Jh. zurückgeht.
Man betritt die Felskirche durch eine Öffnung an einer Seite der Kirche unter freiem Himmel über eine Treppe, die fast ganz in den Fels gehauen ist.
Im Laufe der Zeit habe ich erhebliche Umbauten erlebt, insbesondere wurde ich in ein Beinhaus für den nahegelegenen Friedhof umgewandelt.
Ich bestehe aus drei Räumen: einer ist mehr oder weniger rechteckig und mit dem Äußeren durch eine rezente Treppe verbunden, ein Gang führt in einen kleinen trapezförmigen Raum, außerdem gibt es einen weiteren, halbrunden Raum, der wahrscheinlich als Apsis diente.
Im Bau gibt es außerdem eine Stufe, auf die man sich setzen konnte, und einige Nischen.
Die Fresken sind Teil einer Ausmalung, die ins 11. bis 14. Jh. gehört, mit Ausnahme des späteren Freskos der Heiligen Marina in einer Nische gegenüber vom Eingang. Die Figur hält einen Hammer und eine Palme in der Hand, Symbol des Martyriums, und befindet sich auf einem Bild, auf dem auch ein betender Engel, ein Drachen und die Kirche der Marina selbst dargestellt sind.
Ein Fresko auf der Rückwand des kleinen Raums zeigt die Dormitio Virginis und lässt so auf eine Funktion als Bestattungsort schließen. Diese Darstellung ist in der byzantinischen Welt verbreitet und besteht in der Jungfrau auf dem Katafalk, die von den Aposteln umgeben ist. Im Hintergrund ist Christus dargestellt.
Dargestellt sind hier Heilige wie Katharina von Alexandria, ein anonymer Heiliger, der Heilige Nikolaus (im Bischofsornat und mit “griechischem” Segnungsgestus), der Erzengel Michael mit den frommen Stiftern, die mit engen, dunklen Gewändern bekleidet sind, als betende und mit griechischen Namensbeischriften.
Im Raum befinden sich auch zwei Stücke unsicherer Herkunft und Datierung: ein Säulenstumpf mit rechteckigem Einschnitt auf der Oberseite und eine angebliche Altarbasis.

Latitudine 39°57'51.13"N
Longitudine 18°18'21.84"E

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